No Bra Day: Warum sollte ich noch einen BH tragen?

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Am 13. Oktober feiern wir No Bra Day! Einen Tag, an dem wir Frauen dazu ermutigen, ihren BH für einen Tag im Schrank zu lassen und sich der Folgen von Brustkrebs bewusst zu werden. Warum sollten wir es aber bei diesem einen Tag belassen? Wir haben uns in die Vor- und Nachteile des BH Tragen vertieft und dabei gleich auch noch einige hartnäckige Mythen entkräftet!

BH-los durch Covid

‘I don’t care if my breasts reach my belly button, I’m not wearing a bra anymore’. Diese Aussage der Schauspielerin Gillian Anderson wirbelten jede Menge Staub auf, aber ihre BH-Abneigung war auch für viele Frauen sehr gut nachvollziehbar. Und die Covid-Pandemie hat unsere Aversion gegen BHs nur noch verstärkt. Denn für wen trägt man denn überhaupt noch dieses Stückchen Stoff, wenn man nur noch auf dem Sofa oder am Küchentisch vor dem Laptop sitzt? Wie angenehm sitzt es sich dort, wenn so ein Ding deinen Brustkorb einschnürt?

Wogende Brüste

Das Virus brachte Frauen dazu, den guten alten BH wieder kritischer zu betrachten und guess what? Wir mögen ihn eigentlich nicht so sehr. Eine Untersuchung von Sainsbury zeigte, dass fast 46% aller Frauen ihren BH mindestens einmal pro Woche weglassen und dass fast 40% der Frauen ihre Unterwäsche bis zu vier Stunden pro Tag als unbequem empfindet.

Covid ist noch nicht vorbei, allerdings sind die Zeiten vorbei, in denen wir mit wogenden Brüsten durchs Haus spazieren konnten. Langsam aber sicher kehren wir in unsere Büros zurück und das bedeutet, dass wie uns auch wieder jeden Morgen in unseren Büstenhalter zwängen müssen. So eine BH ist eben unumgänglich, wenn man einigermaßen ordentlich und repräsentativ erscheinen möchte, oder?

Sollten wir unser Verhältnis zum BH etwas genauer unter die Lupe nehmen?

Oder wäre es besser, unser Verhältnis zum BH etwas genauer unter die Lupe zu nehmen? Welche Vorteile bietet der BH eigentlich? Und welche Argumente sprechen dafür, dieses einengende Kleidungsstück lieber etwas öfter im Schrank zu lassen?

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Drei Mythen zum BH

Bevor wir uns den Vor- und Nachteilen von BHs widmen, sollte man zuerst einige hartnäckige Mythen aus der Welt schaffen. Denn davon gibt es eine ganze Reihe und diese basieren in der Regel auf vollkommen grundlosen Annahmen und Fehleinschätzungen.

Mythos 1: Kein BH? Dann werden deine Brüste wie Pudding absacken

Klingt eigentlich schön logisch. Dank eines BHs stehen deine Brüste stolz nach vorne, dann wird er wohl auch dafür verantwortlich sein, dass sie nicht herunterhängen. Schließlich wirkt doch der BH der Schwerkraft entgegen, auch wenn es nur für einige Stunden pro Tag ist. So simpel liegt der Fall aber nicht. Es gibt immer noch keine eindeutigen Beweise dafür, dass Brüste ohne BH hängen.

Das Gleiche gilt auch andersherum. Ein BH sorgt nicht dafür, dass deine Brüste voll und fest bleiben. Obwohl sich der französische Forscher Jean-Denis Rouillon ganze 15 Jahre seines Lebens mit der Beziehung zwischen BHs und Hängebusen beschäftigte, sind seine Schlussfolgerungen umstritten. Nachdem er 330 Frauen zwischen 15 und 35 Jahren über diesen Zeitraum beobachtet hatte, kam er zu dem Schluss, dass die Brustmuskulatur ohne BH schwerer arbeiten müsste und die Brüste hierdurch fester bleiben würden. Seine Untersuchung war allerdings nicht besonders umfangreich, sie wurde nie publiziert und es fand auch niemals ein peer review statt. Also recht umstritten.

Trotzdem glauben viele Menschen, dass man die Auswirkungen der Schwerkraft mit einem BH abschwächen kann. Das ist allerdings eine Fehleinschätzung, denn nichts kann die natürliche Entwicklung deiner Brüste aufhalten. Sie werden hängen, denn das ist ganz einfach ein Naturgesetz, an dem sich nicht rütteln lässt. Egal, ob dies genetisch vorprogrammiert ist, durch dein Gewicht oder hormonale Veränderungen bei einer Schwangerschaft kommt oder auch durch den natürlichen Alterungsprozess. Deal with it.

Mythos 2: Kein BH? Geringeres Brustkrebsrisiko

Wäre es doch so einfach. Dieser Mythos basiert auf der Vorstellung, dass ein BH die Lymphdrainage beeinflusst, also die Art und Weise, wie unser Körper Gift- und Abfallstoffe abtransportiert. Wenn man Probleme mit der Lymphdrainage hat, können diese Stoffe in den Blutkreislauf gelangen und die Gefahr für eine Krebserkrankung erhöhen.

Nach Meinung der American Cancer Society gibt es aber keine direkte wissenschaftlich beweisbare Verbindung zwischen Brustkrebs und und BHs. Es wird betont, dass dieser Mythos vermutlich dadurch entstanden ist, weil Frauen mit Übergewicht häufiger BHs tragen, da ihre Brüste größer sind und diese Gruppe auch häufiger an Brustkrebs erkrankt. Übergewicht ist aber einfach ein Risikofaktor für Brustkrebs.

Mythos 3: Kein BH? Dann bekommt man Rückenschmerzen

Viele Frauen mit großen Brüsten sind davon überzeugt, dass ihre Brüste Rückenschmerzen verursachen. Nach Meinung des Women’s Health Research Institute of Northwestern University ist jedoch die Größe der Brüste nur selten der Übeltäter. Stattdessen werden Rückenschmerzen meistens durch schlecht passende BHs verursacht, durch Übergewicht, Rückenmuskelverletzungen, ein geschwächtes Rückgrat, eine schlechte Körperhaltung oder eine Schwangerschaft.

Ob man nun einen BH trägt oder nicht, hat also kaum etwas mit Rückenschmerzen zu tun. Ein gut sitzender BH kann aber die Körperhaltung verbessern und auf diesem Wege Rückenschmerzen vermeiden. Unterschiedliche Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass Frauen mit großen Brüsten relativ häufig BHs mit nicht geeigneter Größe tragen und deswegen Rückenschmerzen entwickeln.

Vorteile eines BHs

Obwohl es Frauen gibt, die ihren BH fröhlich an den Nagel hängen, können wir uns es auch gut vorstellen, dass du dich in der Öffentlichkeit mit BH einfach wohler fühlst. Vor allem dann, wenn du eine größere Körbchengröße besitzt. Viele Frauen mit großen Brüsten sind sich ihres wogenden Busens sehr bewusst, was sehr verständlich ist. Für sie fühlt es sich meist angenehmer an, einen BH zu tragen.

Mehr als eineinhalb Kilo

Das ist auch schon was; wenn man Körbchengröße D oder größer hat, kann eine Brust bereits eineinhalb Kilo oder mehr wiegen. Dann ist der Druck auf den Körper recht groß, besonders am Nacken, dem Rücken und den Schultern. Frauen mit großen Brüsten neigen zudem dazu, etwas gebeugt zu gehen und zu sitzen, was den Druck auf diese Körperregionen noch verstärkt. Dann gönnt man den Damen natürlich umso mehr etwas Unterstützung.

Leider tragen aber etwa 80% aller Damen die falsche BH-Größe, und 70% davon quetscht sich in eine zu kleine Größe hinein. Und das, obwohl man sich doch so viel leichter, selbstsicherer und vor allem bequemer fühlt, wenn der BH gut passt. Darum ist es sehr zu empfehlen, sich im Dessous-Geschäft gut beraten und ausmessen zu lassen.

Perfekt passendes Exemplar

Auch wenn dein BH letztlich nicht verhindern kann, dass deine Brüste der Schwerkraft folgen werden, so kann doch ein gut passendes Exemplar dafür sorgen, dass du dich während dieses Prozesses einfach wohler fühlst. Tipp: Achte darauf, dass das Rückenstück breit und stark ist. Viele Frauen denken, dass es nur um die Träger gehen würde aber gerade das Rückenband sorgt für die dringend benötigte Unterstützung.

Hast du Nase gestrichen voll von Spitze, Firlefanz und schmerzenden Trägern? Dann solltest du dich nach Meinung der Brustspezialistin Cassann Blake für einen guten Sport-BH entscheiden. Scheue dich auch nicht, einen Fachmann zu Rate zu ziehen, z.B. einen Osteopathen, wenn du Rückenschmerzen hast und mit welchem BH deine Beschwerden oder deine schlechte Haltung am besten verbessert werden können.

Nachteile eines BHs

Wie bereits erwähnt, haben BHs also nicht wirklich irgendwelche echten gesundheitlichen Nachteile. Wenn man allerdings einen nicht passenden BH trägt, dann schon. Das geht sogar so weit, dass es eine Verbindung zwischen der falschen Größe und Brustverkleinerungen geben soll. Ein schlecht sitzender BH kann bestimmte Beschwerden verstärken, wodurch Frauen sich dazu entscheiden, ihre Brüste mit plastischer Chirurgie verkleinern zu lassen. Somit dreht sich also alles um die richtige BH-Größe.

BH im Bett schlecht für die Nachtruhe?

Es gibt Studien, die nahelegen, dass das Tragen eines BHs in der Nacht den Schlafzyklus stören kann. Das einengende Kleidungsstück soll die Körpertemperatur erhöhen und das Melatoninniveau absenken. Das Ergebnis ist eine schlechtere Nachtruhe. Diese Studien sind jedoch nicht sehr umfangreich, darum sind weitere Untersuchungen nötig, mit mehr Teilnehmern und über einen längeren Zeitraum, um die Ergebnisse zu erhärten. Ich denke aber, dass jeder nachvollziehen kann, dass ein BH im Bett nicht wirklich entspannend ist. Man sollte ihnen nachts also lieber ihre Freiheit lassen!

Gestörte Durchblutung

Der Nachteil einer gestörten Durchblutung liegt auf der Hand. Die kann man sehr leicht am eigenen Leib feststellen, wenn man am Laptop auf dem Sofa sitzt. Ein BH ist eben nichts anderes als ein Band um den Oberkörper, das alles fest zusammenhält. Ok, ein Korsett ist noch einmal eine ganz andere Kategorie, aber auch ein straffes BH-Band kann sich ziemlich einengend anfühlen. Und es kann auch tatsächlich die Durchblutung beeinträchtigen. Man wird vielleicht nicht gleich wie eine Korsettträgerin aus dem 19. Jahrhundert ohnmächtig werden, trotzdem können auch durch einen BH die Blutgefäße unter Druck geraten. Vor allem dann – ja, schon wieder -, wenn man die falsche BH-Größe trägt und damit zu Bett geht. Keine angenehme Sache und der ständige Druck ist auch nicht gut für den Brustkasten. Ein schlecht sitzender BH kann somit Rippenschmerzen und Kurzatmigkeit auslösen.

Ok, ein Korsett ist noch einmal eine ganz andere Kategorie, aber auch ein straffes BH-Band kann sich ziemlich einengend anfühlen.

Darum ist es empfehlenswert, sich ab und zu gut zu betrachten, nachdem man seinen BH abgelegt hat. Siehst du rote Stellen und Streifen? Das sind Warnsignale deines Körpers, dass dein BH zu straff sitzt. Und auch wenn es vielleicht nicht gerade charmant ist, es hilft, wenn man mehrmals am Tag seine Brüste etwas durchschüttelt. Damit wird die Durchblutung stimuliert und wieder in Gang gebracht.

Gereizte Haut

Auch die Haut freut sich über regelmäßige BH-Pausen. Dann wird man weniger unter den Bakterien und dem Schweiß leiden, der sich gerne im BH festsetzt und die bessere Durchblutung wird der Haut sehr gut tun.

Außerdem sorgt ein BH dafür, dass sich deine Boobies den ganzen Tag aneinander und an der Spitze bzw. dem Material des BHs reiben, was der Haut ganz sicher nicht zugute kommt. Und man vergesse auch die Brustwarzen nicht: Sie zählen schließlich zu den empfindsamsten Körperstellen, die man ganz bestimmt nicht Tag und Nacht irgendwelchen einengenden Dessous aussetzen möchte, thank you very much.

Einige Tipps: lasse deinen BH so oft weg wie möglich, trage ihn nie länger als 12 Stunden am Stück und ganz besonders nicht beim Schlafen. Außerdem sollte man unbedingt in die richtige Größe und Passform investieren!

To bra or not to bra?

Die Frage ist also, to bra or not to bra. Zum Glück muss man sich aber als BH-Liebhaber keine Sorgen über gesundheitliche Nachteile machen. Die gibt es nicht, wie bereits erwähnt, zumindest, wenn man einen guten BH in der richtigen Größe trägt. Und das Gleiche gilt auch andersherum: Auch das Nicht-Tragen eines BHs ist vollkommen in Ordnung, denn auch dann werden die Brüste nicht auf einmal ein Stockwerk tiefer hängen.

‘Ein BH ist ein Kleidungsstück und keine medizinische Empfehlung’, sagt Amanda Newman von der Jean Hailes Women’s Health Organisation, und genau so ist es auch. Darum ist es einfach eine Frage der persönlichen Vorliebe, ob man einen BH tragen will oder nicht. Fühlst du dich mit BH besser unterstützt und selbstsicherer? Dann trage ihn! Und wenn du deine zwei Freunde lieber frei lassen möchtest, ist auch das völlig ok!

Befreiendes Gefühl

Man sollte sich für das entscheiden, was einem das beste Gefühl gibt und sich dabei nicht von Meinungen anderer beeinflussen lassen. Irgendwie seltsam, dass eine BH-lose Brust immer noch für so viel Aufhebens sorgt. Viele Frauen schämen sich deshalb für ihre wogenden Brüste, während sie deswegen ständig mit Schmerzen und anderen Unannehmlichkeiten kämpfen. Das ist sehr schade! Die BH-Pausen sollten für uns alle ein Stück normaler und selbstverständlicher werden. Auch wenn man dabei nur auf dem Sofa beim Zappen ist, im Garten ein Buch liest oder kurz im Supermarkt noch eine Packung Milch besorgt, whatever.

Dieses befreiende Gefühl, das man empfindet, wenn man abends seinen BH auszieht, ist Grund genug, um seinen BH etwas häufiger links liegen zu lassen!

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